100% Atomstrom? Gibt’s nicht!

Kaufen Sie Solarstrom!” – “Bestellen Sie Strom aus regionalen Wasserkraftwerken!” – “Jetzt gibt es für Sie Bio-Strom aus Grünabfällen!” – “Windenergie – der Umwelt zuliebe!” – “Atomstrom, weil keiner günstiger ist!

Moooment! – Wie war das?

Ja genau, für alle Energiequellen gibt es griffige Werbeslogans – nur für Atomstrom nicht. Es gibt z.B. bei der AEW Produkte für 100% Windkraft vom Mont Crosin oder 100% Wasserkraft aus dem Kraftwerk Augst oder aus mittleren und grösseren Werken. Für 80 Rp pro kWh (!!!) gibt es beim lokalen StromanbieterAQUAE-SOLAR”. Doch wenn es um Atomstrom geht, wird die Wahl eingeschränkt. Oder wer hat schon einmal ein Produkt mit 100% Atomstrom kaufen können? Gibt es nicht! Aber wieso nicht?

Unsere Stromanbieter sind mächtig stolz auf ihre grün-angehauchten Produkte. Doch auf die Frage, wieso kein Atom-Produkt aufgelegt würde, konnte man mir in Baden keine befriedigende Antwort geben. Es sei kein Bedürfnis, hat man mir erklärt. Und eine Marktforschung habe man nicht durchgeführt. Vermutlich, weil man das unbequeme Resultat nicht mit Zahlen unterlegen möchte.

Nun denn, was sagt die Statistik des Anbieters AEW (von dem der regionale Anbieter seinen Strom bezieht):

Satte 77.7% der Kunden beziehen Strom aus Kernkraftwerken. Das ist mehr als der Anteil an Kernenergie in der Schweiz. Fast 30% muss das AEW aus dem Ausland beziehen. Lumpige 0.007% (!) stammen aus Sonnenenergie, Windenergie und Biomasse! Und dafür betreibt man so einen Aufwand? Ist das effizient?

Wenn doch die überwältigende Mehrheit der Kunden Atomstrom bezieht, wieso soll dann ein “Atom-Produkt” keinem Bedürfnis entsprechen?

Mein Vorschlag:
Anstatt dass man dem Privatkunden die Wahl zwischen verschiedenen Stromanbietern ermöglicht, soll man ihm erlauben, seinen Strommix zu 100% frei wählen zu können. Für alle 8’760 Stunden pro Jahr kann er sich seinen Strommix zusammenstellen. Auf der Webseite seines lokalen Anbieters legt er genau fest, wann er welchen Strom beziehen will. Der Anbieter kann Programme vorschlagen. Zudem hat der Kunde damit vollständige Transparenz über die Kosten.

Bspw.: Über Mittag kann er jeweils Solarstrom bestellen. Im Frühling bezieht er Strom aus Wasserkraft. Im Herbst nutzt er die Windenergie stärker und sonst setzt er auf Kernenergie.

P.S.
Es gibt wohl nichts Unverständlicheres als Webseiten von Stromanbieter. Oder was verstehen Sie als “AEW a.ns classic-11” oder unter dem süffigen Titel “AEW a.ns eb-11”? Kämpfen Sie sich bitte auch durch die Seite dieses Monopolbetriebes.

Hier geht die Geschichte weiter

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