surprise, surprise! – surprise?

Bei der heutigen Lektüre der ‘Finanz und Wirtschaft’ (9. April 2011, Nr 28) musste ich oft den Kopf schütteln. Wie kann man nur so konsequent die Realität verkennen?

Kapitel 1 – Inflation

Auf Seite 2 geht es um die Inflation, welche plötzlich (?) anzieht. “Die Erwartungen seien klar übertroffen worden“, meint etwa die Credit Suisse. Und auch “Unicredit gesteht, überrascht worden zu sein.

Dabei ist es für einen Schüler der Österreichischen Wirtschaftsschule schon lange klar, dass die Inflation kommt schon lange da ist. Denn Inflation ist Geldmengenausweitung. Teuerung hingegen ist der Effekt, der auf Inflation folgt und sich in höheren Preisen niederschlägt.

Faszinierend ist hingegen, dass Unicredit, welche überrascht wurde und somit kein klares Bild der Gründe hat, jetzt weiss, dass es sich eher um “eine technische Bewegung der Preise als eine Beschleunigung des Inflationstrends” handelt. Kann man das noch ernst nehmen?

Kapitel 2 – Portugal

Obschon Portugal diese Woche die EU um finanzielle Hilfe bat (welche natürlich vor Wochen von den ehrlichen, weitsichtigen und umsichtigen Politikern noch kategorisch ausgeschlossen wurde), hat es wenige Tage zuvor noch EUR 1 Mrd. am “Kapitalmarkt” aufgenommen (Seite 29). Bei näherem Hinsehen stellt man jedoch fest, dass die Papiere vom Staat selbst gekauft wurde. Wie geht das?

Der staatliche Sozialversicherungsfonds (FEFSS) hat die Tranche selbst gezeichnet. Selbstverständlich muss sollte man davon ausgehen, dass die vorsichtigen Portfoliomanager dabei nach besten Wissen und Gewissen, unabhängig von der Politik und nur im Interesse der Versicherten vorgegangen sind.

Sollte uns das überraschen? Nein. Auch in anderen Ländern kaufen staatsnahe Organisationen die Staatspapiere des eigenen Landes. In den USA z.B. kauft die FED die Staatspapiere. Das Muster ist immer gleich: Die Probleme werden auf die Bürger/Steuerzahler abgewälzt. Was vorher in den Bilanzen von Banken lag, liegt nun in den Händen des Staates. Man bedenke die Konsequenzen, wenn die Schuldpapiere nicht mehr zurückgezahlt werden können für die sozial Bedürftigen: Sie verlieren doppelt! Der Staat hat kein Geld mehr und die Sozialhilfe erst recht auch nicht. Fehlt nur noch Inflation…

Kapitel 3 – Gold und Silber

Beide Edelmetalle erreichen diese Woche neue Höchstkurse (Gold USD 1460; Silber USD 40). Als Erklärungen hört man immer wieder, dass sich hier eine Blase gebildet habe. “Kehrt die Weltwirtschaft zur Normalität zurück und steigen auch in den USA die Zinsen, dürfte sich mancher Anleger von Silber abwenden.” (Seite 43) Da mag man nur noch nachwerfen: “You are a dreamer!

Zunächst kehrt die Weltwirtschaft nicht zur Normalität zurück. Vorerst müsste definiert werden, was denn ‘normal’ sei. Wachstum über die Notenpresse? Wohl kaum… Normalität müsste bedeuten, dass das Kreditsystem auf ein gesundes Mass schrumpft. Das wäre dann Deflation und ginge mit grossen Schmerzen über die Bühne. Viele Banken und Staaten müssten bankrott anmelden. Aber dann hätten wir wieder normalere und v.a. gesundere Zustände.

Wenn in den USA die Zinsen steigen, haben nicht nur die Hausbesitzer ein noch grösseres Problem, sondern auch der Staat (von der Gemeinde bis Washington). Die Belastung würde augenblicklich zum Bankrott führen. Das totale Chaos wäre unausweichlich. Der US-Dollar müsste kollabieren und die Preise für Gold und Silber würden steil nach oben schiessen.

Wobei man das “würde” durchaus mit “wird” ersetzen kann.

Fazit

Wer die Welt nicht durch die rosa Brille sieht und sich an Fakten und grundlegende Mechanismen – man könnte schon sagen physikalisch/mathematischen Regeln – heranzieht, wird den Hoffnungstönen kein Gewicht beimessen. Das Geld ist weiter in Sachwerten am besten angelegt.

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