Eine ökonomische Bilanz 12 Jahre nach der Gold-Initiative

Im November 2014 lehnte die Schweiz die Volksinitiative „Rettet unser Schweizer Gold“ deutlich ab. Ich habe schon im Vorfeld darüber geschrieben. Aus damaliger Sicht war die Entscheidung ein Votum für die geldpolitische Flexibilität der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Blickt man jedoch heute, Anfang 2026, mit der gebotenen Distanz auf die harten Zahlen der vergangenen Dekade, ergibt sich eine bemerkenswerte wirtschaftliche Bilanz.

Hätte die SNB die geforderte Goldquote von 20 % umsetzen müssen, wäre ein massiver Ausbau der Goldreserven notwendig gewesen. Ende 2014 hielt die SNB Gold im Wert von ca. CHF 39 Mrd. (bei einer Bilanzsumme von CHF 560 Mrd.). Um die Quote zu erfüllen, hätte die SNB – bei einem damaligen Goldpreis von rund CHF 35’000/kg – zusätzliche 2’000 Tonnen Gold erwerben müssen. Dies hätte ein Investitionsvolumen von ca. CHF 70 Mrd. bedeutet.

Bei einem heutigen Goldpreis von vorsichtig CHF 100’000/kg stünde diesem fiktiven Zukauf ein aktueller Marktwert von ca. CHF 200 Mrd. gegenüber. Der daraus resultierende Buchgewinn von CHF 130 Mrd. CHF ist jedoch nur ein Teil der Geschichte.

Dazu kommt zunächst die Diversifikation. Da dieses Kapital in physischem Gold gebunden gewesen wäre, hätte es nicht in Fremdwährungsanleihen investiert werden können/müssen. Die SNB hätte somit die massiven Kursverluste auf Euro- und US-Obligationen vermieden, die während der Zinswende 2022/2023 die Bilanz belasteten. In der Summe belaufen sich die Opportunitätskosten – also der entgangene Gewinn aus Gold-Aufwertung plus vermiedene Anleihenverluste – auf ca. CHF 200 bis 250 Mrd.

Diese Differenz hat direkte Folgen für die öffentliche Hand. Ein durch Goldreserven stabilisiertes Eigenkapitalpolster hätte eine Verstetigung der Ausschüttungen ermöglicht.

Bei einer jährlichen Ausschüttung von ca. CHF 4.5 bis 5.0 Mrd. hätte die Bundessteuer um ca. 25-30% gesenkt werden können. Corona-Schulden? Längst getilgt. AHV-Finanzierung? Ohne MWST-Erhöhung gesichert.

Die Zusatzeinnahmen hätten fiskalischen Spielraum für Steuersenkungen der Kantone im Bereich von 12 % bis 20 % (je nach Kanton und Finanzkraft) geschaffen, was die Standortattraktivität im internationalen Wettbewerb signifikant erhöht hätte.

Und dann sind da noch die Folgeeffekte: Hard-Money Image. Zuzug neuer Firmen und finanzstarken Personen. Höhere Steuereinnahmen (CHF 4 bis 6 Mia.) wären die Folge.

Fazit: Die Gold-Initiative hätte die Schweiz in eine fiskalische Sonderzone verwandelt und hätte jedem Haushalt im Land spürbare finanzielle Erleichterung gebracht. Steuererhöhungen wären praktisch ausgeschlossen. Jeder Haushalt hätte seit 2014 rund CHF 60’000 bis 75’000 mehr auf dem Konto. Die Schweiz hat die Goldenen Zeiten verpasst. Das “Nein” tut richtig weh.

Den aktuellen Goldpreis finden Sie hier.

Kennzahl Wert 2014 (Abstimmung) Wert Heute (Status Quo) Wert Heute (bei Annahme) Differenz (Entgangene Chance)
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