Politiker (Un)Logik

Einmal mehr beweist ein Politiker, dass er von Wirtschaft keinen blassen Schimmer hat genau das Falsche tut. Aus der Versenkung der Vergessenheit meldet sich heute Alt-Bundesrat Pascal Couchepin (wieso fragt den überhaupt jemanden?) in der NZZ zu Wort:

Ein EU-Beitritt werde für die Schweiz aber erst ein Thema, wenn das Land in Schwierigkeiten gerate. «Die Leute sind erst dann bereit, einen grossen Schritt zu tun, wenn es eine Krise gibt»

…mit anderen Worten: Wenn wir herausgefordert werden, strecken wir die Waffen und geben sofort auf. Hallo?!?

Wobei – und das ist ihm gut zu halten – er die Strategie der Politik publik macht. Nämlich, dass die Politik ein vitales Interesse daran hat, dass es dem Land nicht gut geht, wenn sie ihre eigenen Interessen durchdrücken wollen. Beispiele gibt es besonders in den USA zur Genüge…

Eine solche Krise könnte mit dem Franken zusammenhängen. Bis jetzt habe man mit den Interventionen der Nationalbank Erfolg gehabt.

Das nennt er “Erfolg”? Wenn die SNB Milliarden an Verlust schreibt, weil sie – statt in handfestes Gold – in den maroden Euro investiert? Und wo steckt denn nun der Euro/Franken-Kurs? Doch nicht etwa höher als vor wenigen Monaten (aktuell 1.31). Und: haben wir wirklich damit ein Problem? Offenbar nicht, denn die Unternehmer mögen zwar etwas Klagen, aber der Export-Wirtschaft geht es gut! Aus der aktuellen FuW entnehme ich auf Seite 25:

Erstaunlicherweise schlagen die exportorientierten Industriebranchen keinen Alarm. […] In diesem Jahr wurde bishlang ein Aussenhandelsüberschuss von 12,9 Mrd. Fr. eingefahren. Die grösste Exportdynamik wird ausserhalb Europas erzielt.

Und wieso soll es eine Krise geben, wegen eines starken Frankens? Bisher sind mit nur Krisen bekannt, welche in Ländern mit schwachen Währungen (=Inflation!) stattgefunden haben (Was man in Japan gemeinhin als “Deflation” bezeichnet ist nur der herausgezögerte Kater nach der Immobilienparty. Deflation = Geldmengenkontraktion, und diese findet auch in Japan nicht statt).

Herr Couchepin meint weiter:

Was passiere aber, wenn der Franken gegenüber dem Euro immer weiter stiege? «Vielleicht müssen wir dann erkennen, dass wir uns in dieser grossen Welt – neben Dollar, Euro und Yen – die eigenständige Währung nicht mehr leisten können.»

Ach, weil unsere Währung keine Weich-Währung ist, weil unser Bundeshaushalt stark weniger schwach als in den Euroländern da steht und weil wir Gewinner der Krise sind, können wir uns den Erfolg nicht mehr leisten?!? “Sorry, liebe Schweizer. Wir sind zu gut für diese Welt. Lasst’ uns in die Katastrophe absteigen!”

Die NZZ untermauert Couchepins Meinung mit dem altbackenen Satz:

Negativ ist das vor allem für die Export- und Tourismusindustrie.

Als ob unser Franken nicht schon seit Jahren und Jahrzehnten gegenüber dem USD oder anderen europäischen Währungen an Stärke gewonnen hat. Schlecht sind wir dabei nicht gefahren…

Nicht der Franken ist das Problem, sondern die anderen Währungen!

Zum Glück ist dieser Politiker weg. Er soll in der Versenkung bleiben, denn mit so grossem Blödsinn gehört man nicht in die Politik und schon gar nicht in unsere Regierung!

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