{"id":836,"date":"2011-07-11T22:31:02","date_gmt":"2011-07-11T21:31:02","guid":{"rendered":"http:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=836"},"modified":"2023-11-02T17:15:15","modified_gmt":"2023-11-02T16:15:15","slug":"mathematische-konkordanz-im-bundesrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=836","title":{"rendered":"Mathematische Konkordanz im Bundesrat"},"content":{"rendered":"<p>Avenir-Suisse pr\u00e4sentierte vor wenigen Tagen &#8220;<a href=\"http:\/\/www.avenir-suisse.ch\/6887\/konkordanz-in-der-krise\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ideen f\u00fcr eine Revitalisierung<\/a>&#8221; der Konkordanz. Die Vorschl\u00e4ge von Michael Hermann gehen aber in die falsche Richtung. Es braucht weder ein &#8220;Vertrauensvotum&#8221; noch ein &#8220;Pr\u00e4sidialdepartement&#8221;. Was es braucht, ist eine der Parteist\u00e4rke entsprechende Zusammenstellung des Bundesrates. Hier mein \u2013 mathematisches \u2013 Konzept:<\/p>\n<ol>\n<li>Als Grundlage dient der W\u00e4hleranteil der Nationalratswahlen.<\/li>\n<li>Pro 10% gibt es einen Bundesratssitz. 10% ist ausserdem die Eintrittsh\u00fcrde.<\/li>\n<li>Die Restmandate werden nach den h\u00f6chsten &#8220;Einern&#8221; zugewiesen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Was heisst das in der Praxis? <!--more-->Hier die Statistik des <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/17\/02\/blank\/key\/national_rat\/parteienstaerke.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">BfS<\/a>:<\/p>\n<div><a href=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Parteien_1971-2007.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-837\" title=\"Parteien_1971-2007\" src=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Parteien_1971-2007.png\" alt=\"\" width=\"442\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Parteien_1971-2007.png 442w, https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Parteien_1971-2007-288x300.png 288w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><\/a><\/div>\n<p>Was hiesse das konkret f\u00fcr die letzten Jahre?<\/p>\n<ul>\n<li>1971:\u00a0FDP, CVP und SP haben alle \u00fcber 20% und damit Anrecht auf 2 Sitze im Bundesrat. Die SVP hat \u00fcber 10% und damit Anrecht auf einen Sitz. Es gibt keine weitere Partei, die \u00fcber 10% kommt. Damit ist der Bundesrat komplett:<br \/>\nCVP: 2, FDP: 2, SP: 2, SVP: 1<\/li>\n<li>1975: FDP, CVP und SP haben alle \u00fcber 20% und damit Anrecht auf 2 Sitze im Bundesrat. Die SVP rutscht unter die 10% H\u00fcrde und damit aus dem Bundesrat. Der letzte Sitz geht an die SP, da sie mit x4,9% den h\u00f6chsten Einer-Wert aufweist.<br \/>\nCVP: 2, FDP: 2, SP: 2+1, SVP: 0<\/li>\n<li>1979 und 1983 ist die SVP wieder zur\u00fcck im Bundesrat mit einem Sitz.<br \/>\nCVP: 2, FDP: 2, SP: 2, SVP: 1<\/li>\n<li>1987 und 1991 liegen SP und CVP unter 20% und verlieren damit vorerst einen Anspruch auf einen zweiten Sitz im Bundesrat. Nur dank der Einer k\u00f6nnen sie den zweiten Sitz behalten. Es bleibt damit bei:<br \/>\nCVP: 1+1, FDP: 2, SP: 1+1, SVP: 1<\/li>\n<li>1995 wird es interessant: FDP und SP verteidigen die 20%-H\u00fcrde und haben Anrecht auf 2 Sitze. CVP und SVP haben erst einen Sitz auf sicher. Relativ knapp setzt sich die CVP gegen die SVP bei den Einern durch.<br \/>\nCVP: 1+1, FDP: 2, SP: 2, SVP: 1<\/li>\n<li>1999 kommt es zum grossen Schnitt: SP und \u2013 zum ersten Mal \u2013 SVP haben zwei Sitze auf sicher. FDP und CVP haben nur einen und m\u00fcssen in die Verl\u00e4ngerung. Die FDP setzt sich durch und gewinnt den letzten Sitz.<br \/>\nCVP: 1, FDP: 1+1, SP: 2, SVP: 2<\/li>\n<li>2003 sieht es \u00e4hnlich aus: SP und SVP haben ihre zwei Sitze auf Anhieb. CVP und FDP nur einen einzigen Sitz. Die FDP ergattert sich nochmals \u2013 knapp vor der SVP \u2013 den letzten Sitz.<br \/>\nCVP: 1, FDP: 1+1, SP: 2, SVP: 2<\/li>\n<li>2007: Die SVP holt als einzige Partei zwei Sitze f\u00fcr den Bundesrat. F\u00fcr CVP, FDP und SP gibt es nur 1 Sitz. Damit sind zwei Sitze \u00fcbrig f\u00fcr den zweiten Durchgang und hier holen sich SP und SVP einen zus\u00e4tzlichen Sitz.<br \/>\nCVP: 1, FDP: 1, SP: 1+1, SVP: 2+1<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Was heisst das nun?<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Seit 1995 m\u00fcssten \u2013 nach diesem Konzept \u2013 FDP und SVP die tonangebenden Parteien im Bundesrat sein. Sie verf\u00fcgen \u00fcber die Mehrheit mit je 4 Sitzen. Das sind sie aber in Realit\u00e4t nicht.<\/li>\n<li>Die CVP braucht sich seit 1999 nicht aufzuregen, dass sie nur noch einen Sitz im Bundesrat hat. Mehr liegt einfach nicht drin!<\/li>\n<li>CVP und FDP m\u00fcssen sich warm anziehen, wenn sie ihren einzigen Sitz behalten wollen. Wenn sie in der n\u00e4chsten Legislatur nicht die Kurve kriegen, liegen sie 2015 pl\u00f6tzlich unter 10%&#8230;<\/li>\n<li>Die SP zeichnet sich \u00fcber alle Jahre durch Konstanz aus. Doch es zeigt sich auch, dass ein &#8220;+1&#8221; schon bald aufgebraucht sein kann.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Und was passiert 2011?<br \/>\n<\/strong>Selbstverst\u00e4ndlich habe ich keine Kristallkugel. Doch anhand der Trends l\u00e4sst sich etwa folgende Prognose\/Annahme machen:<\/p>\n<ol>\n<li>Die SVP macht den Sprung \u00fcber die 30% und hat Anrecht auf 3 feste Sitze. Sollte die SVP den Sprung \u00fcber die 30% nicht ganz schaffen, geht der letzte Sitz dennoch an sie, weil niemand sonst einen so hohen Einer hat wie die SVP.<\/li>\n<li>Die SP liegt zwischen 15% &#8211; 17%. Das macht sicher 1 Sitz.<\/li>\n<li>CVP und FDP bleiben \u00fcber den 10% und erreichen 12%-13%. Auch je ein Sitz.<\/li>\n<li>Und zum Schluss w\u00e4ren da noch die Gr\u00fcnen, die \u2013 ob aus eigener Kraft oder in Verbindung mit einer anderen kleinen Partei \u2013 die 10%-Marke knacken und knapp unter 11% zu liegen kommen. Macht auch einen Sitz.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Damit sind alle Sitze im ersten Anlauf verteilt und die Zusammensetzung pr\u00e4sentierte sich so:\u00a0CVP: 1, FDP: 1, Gr\u00fcne: 1, SP: 1, SVP: 3.<\/p>\n<p>Ob sich die Linken da einig werden?<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline; color: #ff0000;\">UPDATE 2015<\/span>: Nach den Wahlen 2015 m\u00fcsste es so aussehen: SVP 2+1, SP 1+1, FDP 1, CVP 1. (Der Sitz der Gr\u00fcnen geht an die SP)<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline; color: #ff0000;\">UPDATE 2019 [<a href=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/2019NR.jpg\">Resultat<\/a>]<\/span>: Nach den Wahlen 2019 m\u00fcsste es so aussehen: SVP 2, SP 1+1, FDP 1, GPS 1, CVP 1. (Der Sitz der SVP geht an die Gr\u00fcnen)<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline; color: #ff0000;\">UPDATE 2023<\/span> [<a href=\"https:\/\/www.ch.ch\/de\/wahlen2023\/resultate-der-wahlen\/parteistarke\/\">Resultat<\/a>]: Nach den Wahlen 2023 m\u00fcsste sich der Bundesrat nach meinem Konzept wie folgt zusammensetzen: SVP 2+1, SP 1+1, FDP 1, Mitte 1 (Da die Gr\u00fcnen unter die 10% fallen, f\u00e4llt ihr Anspruch weg. Die SVP kann mit dem zweitbesten Einer einen Sitz dazugewinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Avenir-Suisse pr\u00e4sentierte vor wenigen Tagen &#8220;Ideen f\u00fcr eine Revitalisierung&#8221; der Konkordanz. Die Vorschl\u00e4ge von Michael Hermann gehen aber in die falsche Richtung. Es braucht weder ein &#8220;Vertrauensvotum&#8221; noch ein &#8220;Pr\u00e4sidialdepartement&#8221;. 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