{"id":625,"date":"2009-12-15T20:26:24","date_gmt":"2009-12-15T19:26:24","guid":{"rendered":"http:\/\/personal.netmex.ch\/?p=625"},"modified":"2009-12-15T20:26:24","modified_gmt":"2009-12-15T19:26:24","slug":"unmundige-burger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=625","title":{"rendered":"Unm\u00fcndige B\u00fcrger?"},"content":{"rendered":"<p>In der aktuellen politischen Diskussion in der Schweiz wird gefragt, ob man \u00fcber alles diskutieren und abstimmen darf. Die eine Seite ist der Meinung, man d\u00fcrfe gewisse Themen weder diskutieren noch dar\u00fcber abstimmen. Offenbar weil das Volk unm\u00fcndig \u00fcber ein Thema eine sachliche Diskussion zu f\u00fchren und anschliessend &#8220;falsch&#8221; abstimmen w\u00fcrde. Mit Verlaub, das ist purer Unsinn!<!--more--><\/p>\n<p>Die Schweizer verf\u00fcgen seit Jahrzehnten &#8211; ja schon fast Jahrhunderten &#8211; \u00fcber eine ausgepr\u00e4gte Diskussionskultur und \u00fcben sich mehrmals j\u00e4hrlich an den verschiedensten Anl\u00e4ssen (Nationale, kantonale, kommunale Abstimmungen\/Wahlen, unz\u00e4hlige Vereine und Clubs, Generalversammlungen). Selbst heikle Themen werden sachlich auseinander genommen. Die Argumente von beiden Seiten k\u00f6nnen auf den Tisch gelegt werden. Jeder kann sich seine eigene Meinung bilden. Am Schluss gewinnt jener, mit den besseren Argumenten. Alles kein Problem.<\/p>\n<p>Wer dem Schweizer B\u00fcrger nun das Diskutieren verbieten will, weil das Thema (zu) heikel ist, zeigt einmal mehr, wie wenig er dem B\u00fcrger zutraut. Diese Tendenz wird auch in der Diskussion um die Aufbewahrung des Gewehrs zuhause deutlich.<\/p>\n<p>Da die Schweiz keine Pflicht zur Teilnahme an Abstimmungen und Wahlen kennt (Der Kanton Schaffhausen ist da eine Ausnahme), gehen jene Mitb\u00fcrger, die sich kein Urteil bilden k\u00f6nnen oder wollen, erst gar nicht an die Urne. Man kann also davon ausgehen, dass die aktive Stimmbev\u00f6lkerung genau weiss, um was es sich geht. Einige wenige Ausreisser an den Polen einmal abgesehen, aber deren Verteilung kann mit Gauss erkl\u00e4rt werden und sind daher zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>In unserer Geschichte haben die B\u00fcrger bisher stets besonnen abgestimmt. Wir sind keinen extremen Str\u00f6mungen erlegen (auch wenn manche eine solche ausmachen wollen und dies als Begr\u00fcndung f\u00fcr ihr Tun rechtfertigen). Solange ein &#8216;Ja&#8217; und ein &#8216;Nein&#8217; m\u00f6glich sind, ist keine Entscheidung &#8216;richtig&#8217; oder &#8216;falsch&#8217;. Politische Entscheide k\u00f6nnen immer beides sein und sind Ausdruck der &#8216;Schwarmintelligenz&#8217;. Nur in totalit\u00e4ren Staaten bestimmen einige wenige, was &#8216;richtig&#8217; oder &#8216;falsch&#8217; ist, weil &#8216;richtig&#8217; immer ihrer Meinung entspricht. Das ist aber nicht unsere Staatsform.<\/p>\n<p>Ach ja: Getreu dem Grundsatz, dass das Volk falsch liegen kann, m\u00fcsste man zun\u00e4cht die B\u00f6rse abschaffen, da die Preise der Wertpapiere auch aus einer st\u00e4ndigen Abstimmung zustande kommt. Da diese auch &#8216;falsch&#8217; sein k\u00f6nnen (bubbles, Madoff, Swissair), sollte allein der &#8220;Market-Maker&#8221; den Preis festlegen &#8211; er weiss am besten wie hoch die Firma zu bewerten ist, oder? <strong>BULLSHIT!<\/strong><\/p>\n<p>Ich pl\u00e4diere auch daf\u00fcr, dass selbst \u00fcber heikle Themen (alle!) diskutiert werden soll ja sogar MUSS &#8211; z.B. die Todesstrafe. Bringen wir doch die Argumente auf den Tisch! Glaubt denn wirklich jemand, dass sich in unserem Land aktuell eine Mehrheit der abstimmenden Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Todesstrafe aussprechen w\u00fcrde? Heute und Morgen sicher nicht.<\/p>\n<p>Aber fragen wir uns doch einmal, in welcher Welt und mit welchen Rahmenbedingungen wir leben m\u00fcssten, bis sich eine Mehrheit f\u00fcr die Todesstrafe aussprechen w\u00fcrde? W\u00e4re das wirklich noch &#8220;unsere&#8221; Schweiz wie wir sie kennen? M\u00fcsste dazu nicht sehr viel von unserer Kultur, unserer Sicherheit (!) oder unserer Wirtschaft fundamental anders aussehen? Aber sicher doch!<\/p>\n<p>Wer also ein solches Verdikt vom Volk vermeiden will, ist daran interessiert, dass es der Schweiz gut geht. Er sollte daher seine Politik auf das Wohl des Volkes ausrichten &#8211; und zwar langfristig!<\/p>\n<p>Wer dieses Korrektiv durch das Volk ausschalten will, macht sich verd\u00e4chtig, die Schweiz nicht in eine gute Zukunft steuern zu wollen. Deshalb ist es wichtig, dass das Volk auch in Zukunft zu <strong>ALLEN<\/strong> Themen das letzte Wort hat &#8211; ob uns das Resultat nun gef\u00e4llt oder nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der aktuellen politischen Diskussion in der Schweiz wird gefragt, ob man \u00fcber alles diskutieren und abstimmen darf. Die eine Seite ist der Meinung, man d\u00fcrfe gewisse Themen weder diskutieren noch dar\u00fcber abstimmen. 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