{"id":2299,"date":"2024-11-18T15:26:31","date_gmt":"2024-11-18T14:26:31","guid":{"rendered":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=2299"},"modified":"2024-11-18T15:26:31","modified_gmt":"2024-11-18T14:26:31","slug":"tektonische-verschiebungen-in-der-geopolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=2299","title":{"rendered":"Tektonische Verschiebungen in der Geopolitik"},"content":{"rendered":"\n<p>Der politische Kampf in Bern \u00fcber die Armeefinanzen zeigt einmal mehr, dass sich die Politik nur um Details k\u00fcmmert und den Blick aufs Ganze verliert. &#8220;<em>Mehr Geld = mehr Sicherheit<\/em>&#8221; ist ein Trugschluss oder ein Werbeslogan der R\u00fcstungsindustrie. Es gibt genug Beispiele, wie Streitkr\u00e4fte mit kleineren Budgets und mehr Kreativit\u00e4t eine h\u00f6here Wirkung erzielen. Dazu braucht es erst einmal eine ehrliche Standortbestimmung. Doch bereits bei der Erfassung der geopolitischen &#8220;Grosswetterlage&#8221;, versagt die Schweiz kl\u00e4glich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anmerkung: Der Text war urspr\u00fcnglich f\u00fcr eine Medien-Plattform vorgesehen, wurde dann aber im letzten Moment vom Verleger &#8220;zensiert&#8221; und offline geschaltet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Imperien kommen und gehen. Das war schon immer so. In den letzten 500 Jahren erreichte England und im 20. Jahrhundert die USA die Spitze. Stets bem\u00fcht, den Einfluss \u00fcber L\u00e4nder und Gebiete auszudehnen, Rohstoffe g\u00fcnstig zu beschaffen, M\u00e4rkte f\u00fcr die eigenen Produkte zu erschliessen und Konkurrenten nieder zu halten wurden die USA zum aktuellen Hegemon. Doch der Stern sinkt. Zu sehr dr\u00fccken Doppelmoral, die situative Auslegung von Regeln (&#8220;regelbasierte Weltordnung&#8221;), die Unterwanderung von Regierungen und die Machtprojektion \u00fcber die rund 900 weltweiten Milit\u00e4rbasen auf das Image.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr Staaten wenden sich von den USA und den ihnen treu ergebenen Europ\u00e4ern ab, z.B. in Afrika und im Mittleren Osten. In Westafrika m\u00fcssen europ\u00e4ische und US-Milit\u00e4rbasen geschlossen werden und Frankreich verliert den Zugang zu g\u00fcnstigem Uran. Der US-Dollar wird immer weniger f\u00fcr den internationalen Handel verwendet und verliert seine Stellung als Weltw\u00e4hrung und Sanktionsmittel. Der &#8220;Westen&#8221; isoliert sich gerade selbst. Eine tektonische Verschiebung der globalen Machtverh\u00e4ltnisse ist im Gang \u2013 unaufhaltsam! Selbst Trump wird dies nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sah es zun\u00e4chst gut aus f\u00fcr die Amerikaner: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion lag der russische B\u00e4r am Boden und seine Reicht\u00fcmer sollten an westliche Unternehmen verteilt werden. Der Zugang zu fast unermessliche Ressourcen h\u00e4tten die Vormachtstellung des Westens im 21. Jahrhundert zementiert. Doch mit Vladimir Putin \u00e4nderte sich alles. Er brachte es fertig, Russland wieder ganz nach oben zu bringen, wo Respekt, menschliche Werte, Familie, Leistungsbereitschaft, Innovation und gute Beziehungen noch als Tugenden gelten. Kein Wunder, wird er im Westen als &#8220;Bedrohung&#8221; dargestellt und musste bek\u00e4mpft werden. Die RAND Corporation empfahl darauf, Russland zu &#8220;\u00fcberdehnen&#8221;. Und so kommt es, dass viele L\u00e4nder um Russland destabilisiert und seit Jahren als unruhestiftender Stellvertreter gegen Russland aufgebaut werden (z.B. Ukraine, Moldawien oder Armenien).<\/p>\n\n\n\n<p>Die BRICS-Staaten, allen voran Russland und China, bieten neu eine starke und f\u00fcr viele L\u00e4nder attraktive, multipolare Alternative \u2013 und sie w\u00e4chst kontinuierlich. Der &#8220;Globale S\u00fcden&#8221; sieht, dass sich die neuen, gutm\u00fctigen (!) Machtzentren den unbeliebten Amerikaner entgegenstellen. Die L\u00e4nder dieser &#8220;globalen Mehrheit&#8221; nehmen zur Kenntnis, dass sich Russland sowohl milit\u00e4risch wie auch wirtschaftlich erfolgreich gegen\u00fcber dem Westen behaupten kann. Heute geh\u00f6rt Russland \u2013 trotz bzw. dank der Sanktionen \u2013 wirtschaftlich zu den gr\u00f6ssten Wirtschaftsm\u00e4chten, w\u00e4chst und hat selbst Deutschland \u00fcberholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die L\u00e4nder ausserhalb der westlichen Blase gewinnen immer mehr an Selbstvertrauen. Die Angst vor Sanktionen des Westens und organisierten Farbrevolutionen sinkt. Entsprechend w\u00e4chst die Liste der BRICS-Kandidaten und Partner immer schneller. Die Konferenz in Kazan wurde vom Rest der Welt sehr interessiert verfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Aufstieg blieb der westlichen Bev\u00f6lkerung \u2013 und damit auch dem Grossteil der Politik \u2013 dank gelenkter Medien sowie eigenverschuldeter Ignoranz und \u00dcberheblichkeit verborgen. Die europ\u00e4ischen Staats- und Leitmedien lassen alles weg, was dem aus Washington vorgegebenen Narrativ widerspricht. Die Nachrichtendienste werden aus Langley gleichgeschaltet. Wie sonst w\u00e4re es m\u00f6glich gewesen, dass Politik und Armeef\u00fchrungen die milit\u00e4rische und wirtschaftliche St\u00e4rke Russlands so untersch\u00e4tzt haben? Oder wie l\u00e4sst sich sonst erkl\u00e4ren, dass die Europ\u00e4er mit Abstand lieber Kamala Harris gew\u00e4hlt h\u00e4tten? Neutrale Berichterstattung? Leider nein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt lebt der Westen komplett im &#8220;Lala-Land&#8221;. Lieber besch\u00e4ftigt man sich mit irrelevanten Fragen und l\u00e4sst sich mit hohlen Phrasen abspeisen. Brot und Spiele wie im alten Rom beherrschen die Gesellschaft. Die Demokratie wird verteidigt, indem man demokratisch gew\u00e4hlte Parteien ausgrenzt oder sogar verbieten will. Wahlgewinner erhalten keinen Auftrag zur Regierungsbildung. Eine unf\u00e4hige, uninformierte Politikerklasse klammert sich an der Macht fest und f\u00fchrt uns immer n\u00e4her an zum wirtschaftlichen Kollaps oder sogar den 3. Weltkrieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland, seit fast 80 Jahren treuer und naiver Vasall der Amerikaner, opfern sich zu Gunsten der Amerikaner. Das hat System. Der erste Generalsekret\u00e4r der NATO, Ismay, beschrieb einst das Ziel der NATO mit: &#8220;<em>to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down.<\/em>&#8221; Nord-Stream 2, von den USA \u00fcber Jahre mit allen Mitteln verz\u00f6gert, sanktioniert und behindert, wurde mit lauter Ansage gesprengt. Den noch intakten Strang will Deutschland aber keinesfalls nutzen. Lieber kauft man US &#8220;Freedom-Gas&#8221; zum dreifachen Preis. Deutschland (und bald ganz Europa) vernichtet so \u2013 selbstverschuldet \u2013 den Industriestandort mit Tausenden von Arbeitspl\u00e4tzen. Gewinner sind v.a. die USA, die aus Deutschland fliehende Unternehmen gerne aufnehmen. Schliesslich \u00fcbersteigt die Zinslast der USA dieses Jahr die Marke von USD 1\u2019000\u2019000\u2019000\u2019000 (> 1 Bio.) \u2013 mehr als f\u00fcr das Milit\u00e4r eingesetzt wird. Da sind Steuereinnahmen willkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittendrin die Schweiz, welche von all diesen Entwicklungen kaum Notiz nimmt, sie nicht stringent erkl\u00e4ren und schon gar keine Konsequenzen herleiten kann. Der k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Lagebericht des NDB ist Zeuge dieser v\u00f6lligen Verkennung der Lage. Und in diesem geistigen Vakuum und v\u00f6lliger Orientierungslosigkeit sollen wir bereits wieder \u00fcber mehr Geld f\u00fcr die Armee diskutieren? Stimmt denn die &#8220;Allgemeine Richtung&#8221;? Nein, ganz offensichtlich stimmt hier gar nichts mit der Realit\u00e4t \u00fcberein.<\/p>\n\n\n\n<p>Teil 2 folgt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der politische Kampf in Bern \u00fcber die Armeefinanzen zeigt einmal mehr, dass sich die Politik nur um Details k\u00fcmmert und den Blick aufs Ganze verliert. &#8220;Mehr Geld = mehr Sicherheit&#8221; ist ein Trugschluss oder ein Werbeslogan der R\u00fcstungsindustrie. 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