{"id":1312,"date":"2019-01-16T22:00:38","date_gmt":"2019-01-16T21:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=1312"},"modified":"2019-02-01T13:25:30","modified_gmt":"2019-02-01T12:25:30","slug":"es-wird-zeit-vom-toten-pferd-abzusteigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=1312","title":{"rendered":"Es wird Zeit, vom toten Pferd abzusteigen."},"content":{"rendered":"\n<p>&#8220;<em>Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes&nbsp;Pferd reitest, steig&#8217; ab.<\/em>&#8221; <br>\u2013&nbsp;Weisheit der Dakota-Indianer <\/p>\n\n\n\n<p>Nach \u00fcber 1&#8217;300 Diensttagen, vielen sehr sch\u00f6nen Erlebnissen, n\u00fctzlichen Kontakten, einem grossen Rucksack an Erfahrung und einer sehr menschenorientierten F\u00fchrungsausbildung wird es Zeit, ehrlich und n\u00fcchtern \u00fcber die Armee als Ganzes Bilanz zu ziehen. Es geht also nicht um die kleinen Dinge, sondern um die (Aus-)Richtung der &#8216;strategischen Reserve&#8217; unseres Landes.<\/p>\n\n\n\n<p>Was w\u00fcrde es denn bringen, wenn zwar Ausr\u00fcstung und Ausbildung top w\u00e4ren, alle Soldaten ins Schwarze treffen k\u00f6nnten und wir mit K\u00fcchenchefs und Milit\u00e4rmusik alle Wettbewerbe gewinnen w\u00fcrden, aber die Armee grunds\u00e4tzlich so schlecht aufgestellt ist, dass sie den Auftrag \u00fcberhaupt nicht erf\u00fcllen kann? Richtig: Nichts.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und damit sind wir bereits beim entscheidenden Punkt angelangt: Der <strong>Auftrag<\/strong>serf\u00fcllung. Es geht also darum, ob am Ende des Tages die Armee die gew\u00fcnschte Wirkung erzielen kann. Wobei man sich fragen darf: Welche Wirkung wollen wir denn erzielen? Dissuasion war ja mal, aber was ist es heute? (Ihre Antwort bitte in die Kommentare!)<\/p>\n\n\n\n<p>Nun mag mancher zurecht urteilen, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten weder in einen Krieg hingezogen noch milit\u00e4risch bedroht wurden. Zudem schreibt die Armee <a href=\"http:\/\/blog.ggstof.ch\/rechenschaftsbericht-armee-2014-vorabdruck-fuer-die-ggstof\/\">j\u00e4hrlich<\/a>, dass die ihr \u00fcbertragenen Aufgaben (sic!) zur Zufriedenheit der politischen Beh\u00f6rden und Veranstaltungsorganisatoren ausgef\u00fchrt wurden (Lesen Sie dazu meine Replik im verlinkten Dokument). Seit der Einf\u00fchrung der aktuellen Armeeorganisation &#8220;WEA&#8221; wird nun pl\u00f6tzlich darauf verzichtet \u2013&nbsp;man darf sich fragen &#8216;wieso?&#8217;.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Chefredaktor des &#8216;Schweizer Soldat&#8217; (<em>&#8220;Die f\u00fchrende, unabh\u00e4ngige Milit\u00e4rzeitschrift der Schweiz&#8221;<\/em>) fragt rhetorisch im aktuellen Editorial: &#8220;<em>Wer hilft, wenn ein Bergsturz Talschaften zudeckt, wenn Verbindungen ausfallen und Pl\u00fcnderungen drohen? Was w\u00e4re eine Fussball-EM ohne die Armee, was das WEF?<\/em>&#8221; Nat\u00fcrlich die Armee! Daraus zu schliessen, dass wir \u00fcber jene Armee verf\u00fcgen, welche die Verfassung oder die strategische Lage (er)fordert, greift jedoch viel zu kurz. Ist dies die &#8220;<em>raison d&#8217;\u00eatre<\/em>&#8221; einer Armee? <\/p>\n\n\n\n<p>Betrachten wir also die Vorgaben aus der Bundesverfassung. F\u00fcr diesen Zweck blicken wir zur\u00fcck auf die Argumentation des Referendumskomitees gegen die Halbierung bzw. &#8220;Weiterentwicklung der Armee (WEA)&#8221;:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verfassungsm\u00e4ssig oder nicht \u2013&nbsp;das ist hier die Frage.<\/strong><br>Ob die Armeereform verfassungskonform oder verfassungswidrig ist, entscheidet sich darin, ob die in der Bundesverfassung aufgef\u00fchrten Auftr\u00e4ge (sic!) erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Dazu muss man kein Jurist sein \u2013 im Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem&nbsp;Beitrag in der ASMZ 01\/02 2016, Seite 8ff haben Robert Wieser (Chef Recht im Generalsekretariat VBS) und&nbsp;Dr. Gerhard Saladin (Chef Rechtsetzung im&nbsp;Generalsekretariat VBS) dargelegt, wieso die Armeereform &#8220;verfassungskonform&#8221; sein soll. Bei n\u00e4herer Betrachtung f\u00e4llt die Argumentation jedoch durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Bundesrat und Parlament, aber auch die &#8220;<em>Juristen der Bundesverwaltung<\/em>&#8220;, haben&nbsp;die Armeereform &#8220;WEA&#8221; als&nbsp;&#8220;<em>verfassungskonform beurteilt<\/em>&#8220;. Beide Gruppen d\u00fcrfen als &#8220;WEA-freundlich&#8221; eingesch\u00e4tzt werden. Eine unabh\u00e4ngige, aber dennoch offiziell anerkannte Meinung fehlt bis heute. Sollte wom\u00f6glich das Ergebnis vor der eigentlichen Pr\u00fcfung feststehen? Denn welche Bundesbeh\u00f6rde hat schon den Mut, das eigene Handeln oder die eigenen Entscheide als &#8220;<em>verfassungswidrig<\/em>&#8221; einzusch\u00e4tzen?<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die&nbsp;korrekte, aber&nbsp;nie&nbsp;\u00fcberpr\u00fcfte&nbsp;Hypothese<\/strong> <br>Die Gegner des Armeereform haben&nbsp;insbesondere den Sollbestand von 100&#8217;000 Angeh\u00f6rigen der Armee (AdA) bem\u00e4ngelt. Zum Gl\u00fcck wird dieser Sollbestand und damit die Verfassungskonformit\u00e4t von den VBS-Juristen hergeleitet: Die beiden Rechtsexperten definieren: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8220;<em>Der Sollbestand ergibt sich indirekt aus der BV, in dem die Armee die ihr auferlegten Aufgaben erf\u00fcllen muss [&#8230;]<\/em>&#8220;. Und weiter &#8220;<em>Bei diesem Sollbestand m\u00fcssen prim\u00e4r die Kernaufgaben der Armee in den Bereichen Verteidigung, Friedenssicherung und Unterst\u00fctzung der zivilen Beh\u00f6rden bei der Bew\u00e4ltigung ausserordentlicher Lagen gew\u00e4hrleistet werden.<\/em>&#8221; <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese Definition erscheint sinnvoll und korrekt. Leider liefern die beiden Juristen keine&nbsp;Pr\u00fcfung, ob mit der Armeereform die Anforderung der Bundesverfassung erf\u00fcllt wird. Die Armeereform wird einfach als <em>&#8216;verfassungskonform&#8217;<\/em>&nbsp;&#8220;ausgelegt&#8221;!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kernaufgabe <strong>Verteidigung<\/strong>&nbsp;muss also &#8220;<em>prim\u00e4r [&#8230;] gew\u00e4hrleistet werden<\/em>&#8220;. Behalten wir diese Bedingung einmal im Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Konzentrieren wir uns&nbsp;im n\u00e4chsten Schritt auf den eigentlichen Kernauftrag der Armee, den &#8220;<em><strong>Verteidigungsfall<\/strong><\/em>&#8220;. Dieser liegt aus Sicht der VBS-Juristen in diesen F\u00e4llen vor:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8220;<em>Die territoriale Integrit\u00e4t, die gesamte Bev\u00f6lkerung oder die Aus\u00fcbung der Staatsgewalt sind konkret bedroht;<\/em><\/p><p><em>Es handelt sich um eine zeitlich anhaltende Bedrohung, die \u00fcber eine punktuelle zeitliche Bedrohung hinausgeht;<\/em><\/p><p><em>Es handelt sich um eine landesweite Bedrohung, die \u00fcber eine \u00f6rtliche oder regionale Bedrohungslage hinausgeht, wobei das Niveau der Bedrohung nicht im gesamten Land gleich hoch sein muss;<\/em><\/p><p><em>Es handelt sich um eine Bedrohung, die eine solche Intensit\u00e4t (Angriffs\u00e4hnlichkeit) erreicht, dass sie nur mit milit\u00e4rischen Mitteln bek\u00e4mpft werden kann.<\/em>&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine Beurteilung der &#8220;Verfassungskonformit\u00e4t&#8221; sind daher&nbsp;folgende Fragen relevant: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Kann&nbsp;die&nbsp;Armee mit einem Sollbestand von&nbsp;100&#8217;000 Angeh\u00f6rigen <em>&#8220;die gesamte Bev\u00f6lkerung&#8221;<\/em> verteidigen?<\/li><li>Kann&nbsp;die&nbsp;Armee mit einem Sollbestand von&nbsp;100&#8217;000 Angeh\u00f6rigen eine &#8220;<em>zeitlich anhaltende Bedrohung, die \u00fcber eine punktuelle zeitliche Bedrohung hinausgeht&#8221;<\/em>&nbsp;begegnen?<\/li><li>Kann die&nbsp;Armee mit einem Sollbestand von&nbsp;100&#8217;000 Angeh\u00f6rigen eine&nbsp;&#8220;<em>landesweite Bedrohung<\/em>&#8221; bek\u00e4mpfen? . <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wir ziehen zur Beurteilung der drei Fragen das&nbsp;Leistungsprofil der WEA (siehe Kapitel 4.1ff im <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.admin.ch\/ch\/d\/gg\/pc\/documents\/2390\/V_Bericht_Armee.pdf\" target=\"_blank\">Erl\u00e4uternden Bericht Rechtsgrundlagen WEA<\/a>) zu Rate. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"765\" src=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_WEA-Armee-1024x765.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1324\" srcset=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_WEA-Armee-1024x765.png 1024w, https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_WEA-Armee-300x224.png 300w, https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_WEA-Armee-768x574.png 768w, https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_WEA-Armee.png 1232w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/ch\/d\/gg\/pc\/documents\/2390\/V_Bericht_Armee.pdf\">admin.ch<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/armee-halbierung-nein.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Leistungsprofil.png\"><\/a>Zun\u00e4chst f\u00e4llt auf, dass die &#8220;<strong>Verteidigung<\/strong>&#8221; des Landes weder in den &#8220;<em>nicht vorhersehbaren<\/em>&#8221; noch den &#8220;<em>vorhersehbaren<\/em>&#8221; Leistungen aufgef\u00fchrt ist. Es wird einzig eine &#8220;<strong>Kernkompetenz Verteidigung<\/strong>&#8221; aufgef\u00fchrt, welche daf\u00fcr &#8220;permanent&#8221; zu erbringen ist. Wie aus dieser Kernkompetenz in der von einem&nbsp;Gegner zugelassenen&nbsp;Zeit eine verfassungskonforme Leistung entstehen soll, steht&nbsp;nirgendwo geschrieben. Es gibt dazu auch kein pfannenfertiges Konzept. Bereits hier f\u00e4llt die Armeereform durch. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr jene, die in der Abbildung eine veraltete Version sehen, hier die neue Ausgabe: In dieser (ohne Beschluss einer politischen Beh\u00f6rde ge\u00e4nderten Version!) spricht das VBS nicht einmal mehr von einer &#8220;Kernkompetenz&#8221;, sondern nur noch vom &#8220;<strong>Erhalt und Weiterentwicklung der F\u00e4higkeiten zur Abwehr eines milit\u00e4rischen Angriffs<\/strong>&#8220;! <br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"722\" src=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_Armee-1024x722.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1325\" srcset=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_Armee-1024x722.png 1024w, https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_Armee-300x212.png 300w, https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_Armee-768x542.png 768w, https:\/\/unbequemefragen.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Leistungsprofil_der_Armee.png 1744w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Quelle: <a href=\"https:\/\/fuehrungsstab.lu.ch\/-\/media\/Fuehrungsstab\/Dokumente\/Chef_Bevolkerungsschutz\/Behoerdenrapporte\/2018\/06_WEA_Div_HP_Walser.pdf?la=de-CH\">Pr\u00e4sentation Kdt Ter Div 2, Beh\u00f6rdenrapport 2018 KFS Luzern<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nochmals und in aller Deutlichkeit: &#8220;Abwehr&#8221; \u2013 nicht &#8220;Verteidigung&#8221;! <\/p>\n\n\n\n<p>Die milit\u00e4rische Definition von &#8220;Abwehr&#8221; lautet: <em>&#8220;Einsatz der Armee mit dem Ziel, durch koordinierte Wirkungen in allen Operationsr\u00e4umen das Staatsgebiet und die Bev\u00f6lkerung gegen den Angriff eines milit\u00e4risch organisierten und ausger\u00fcsteten Gegners zu behaupten.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;behaupten&#8221;? Wieso nicht &#8220;verteidigen&#8221;?&nbsp;Wof\u00fcr steht &#8220;behaupten&#8221;?<\/p>\n\n\n\n<p>Die milit\u00e4rische Definition von &#8220;Verteidigung&#8221; lautet: <em>&#8220;Armeeaufgabe mit dem Ziel, den Schutz von Land und Bev\u00f6lkerung sicherzustellen und den Souver\u00e4nit\u00e4tsanspruch des Staates glaubhaft aufrechtzuerhalten.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bis 2017 lautete die milit\u00e4rische Definition von &#8220;Verteidigung&#8221;: <em>&#8220;Gefechtsform mit dem Ziel, den angreifenden Gegner durch Feuer, Sperren und St\u00fctzpunkte sowie Gegenangriffe zu stoppen, zu vernichten oder zu zerschlagen. Sie wird aktiv gef\u00fchrt.&#8221;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Auch bei den sekund\u00e4ren Auftr\u00e4gen f\u00e4llt die&nbsp;Armeereform durch<\/strong> <br>Bei der &#8220;<em>Unterst\u00fctzung der zivilen Beh\u00f6rden bei der Bew\u00e4ltigung ausserordentlicher Lagen&#8221;<\/em> stellen sich uns die gleichen Fragen.&nbsp;Wie die&nbsp;<strong>Abbildung<\/strong> zeigt, d\u00fcrfen die Kantone mit Leistungen von maximal&nbsp;4 Wochen rechnen. Eine Abl\u00f6sung ist nur &#8220;von Teilen&#8221; vorgesehen. Ist dies tats\u00e4chlich die Antwort auf eine &#8220;<strong><em>zeitlich anhaltende Bedrohung&#8221;<\/em><\/strong>? &nbsp;Eher nicht.&nbsp;Hier f\u00e4llt die Armeereform ein zweites Mal durch. .<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Potenzierte Verfassungswidrigkeit<\/strong> <br>Zum Schluss verspricht uns das VBS: <em>&#8220;Sa\u0308mtliche im Leistungsprofil aufgelisteten Leistungen sind kumulativ, d.h. sie ko\u0308nnen bei Bedarf alle gleichzeitig erbracht werden.&#8221;<\/em> \u2013&nbsp;Ja, sie werden vermutlich gleichzeitig nach ein paar Wochen abgebrochen oder reduziert&#8230; Das Problem ist allerdings: Ausserordentliche Lagen laufen meist parallel zu Verteidigungsoperationen. Die Armee m\u00fcsste also alle oben aufgef\u00fchrten Auftr\u00e4ge PLUS die Verteidigung des Landes&nbsp;gleichzeitig (!) erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Das ist selbst ohne Juristenstudium oder Generalstabsausbildung schwer zu glauben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwischenfazit: Definitiv verfassungswidrig<\/strong><br>Die aktuelle Armee kann&nbsp;den&nbsp;Kernauftrag nicht erf\u00fcllen. Die Armeereform WEA bzw. die \u00c4nderung des Milit\u00e4rgesetz&#8217; war bzw. ist auch heute noch eindeutig verfassungswidrig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Dennoch wird das Volk angelogen \u2013 selbst von erfahrenen Milit\u00e4rs: &#8220;<em>Die Armee verteidigt Volk und Land aus eigener Kraft [sic!] [&#8230;].<\/em>&#8221; schreibt der Chefredaktor des &#8216;Schweizer Soldat&#8217;. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen aber auch andere Aspekte pr\u00fcfen, z.B. ob die Bodentruppen \u00fcberhaupt zum Einsatz kommen k\u00f6nnten. F\u00fcr deren erfolgreichen Einsatz w\u00e4re mindestens die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luft%C3%BCberlegenheit\">Luft\u00fcberlegenheit<\/a> notwendig. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8220;Traditionell wird im Kriegsfall versucht, Luft\u00fcberlegenheit durch das Zerst\u00f6ren gegnerischer&nbsp;Luftfahrzeuge, Flugpl\u00e4tze,&nbsp;Luftabwehrstellungen, F\u00fchrungseinrichtungen sowie der zugeh\u00f6rigen Kommunikationseinrichtungen zu erlangen. Erringen und Erhalten der Luft\u00fcberlegenheit ist seit dem&nbsp;Zweiten Weltkrieg&nbsp;eine wesentliche Aufgabe f\u00fcr&nbsp;Luftstreitkr\u00e4fte&nbsp;zu Beginn eines bewaffneten Konflikts.&#8221;<br><\/p><cite>Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luft%C3%BCberlegenheit\">wikipedia.org<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Schafft es die Schweiz, eine Luft\u00fcberlegenheit mit den gegebenen Mitteln zu erreichen? Oder kann die Schweiz einen potenziellen Gegner davon abhalten, selbst die Luft\u00fcberlegenheit \u00fcber der Schweiz zu erreichen? <\/p>\n\n\n\n<p>Beide Fragen m\u00fcssen leider mit NEIN beantwortet werden. Nur entfallen damit die notwendigen Bedingungen, damit Bodenoperationen erfolgreich ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ein einfacher Vergleich: Damit ein Schiff erfolgreich von A nach B fahren kann, sollte es frei von Lecks [= gegnerische Luft\u00fcberlegenheit] sein. Falls Lecks da sein sollten, m\u00fcssten die Pumpen das eindringende Wasser wieder schnell genug rauspumpen k\u00f6nnen [= eigene Luft\u00fcberlegenheit]. Nur so geht das Schiff nicht unter. Falls beides nicht gegeben ist, macht jede Diskussion \u00fcber den Kurs, die Farbe, die Anzahl Passagiere etc. keinen Sinn. Genau da stehen wir in der Armeediskussion!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Die Verantwortlichen in den eigenen Reihen<\/strong><br>Wer hat nun diesen Zustand &#8220;verbockt&#8221; und tr\u00e4gt damit die Hauptverantwortung? Das VBS \u2013 also der Verwaltungsteil der Armee! Alle Reformen wurden massgeblich nach den W\u00fcnschen und &#8220;Analysen&#8221; des VBS&#8217; konzipiert. Bundesrat und Parlament haben sich einlullen lassen und es verpasst, rechtzeitig den Riegel zu schieben. Von wo kam die Vorgabe mit 100&#8217;000 AdA? Vom VBS. Wer beantragt die Ausserdienststellung von Volksverm\u00f6gen (z.B. 12cm Fest Mw)? Das VBS! Wer glaubte, dass die Anzahl Diensttage reduziert werden kann und muss nun mit Unterbest\u00e4nden auskommen? Das VBS! Die gr\u00f6sste Bedrohung der Schweizer Milizarmee sitzt mitten drin und r\u00fchmt sich, die Armee modernisiert und &#8216;weiterentwickelt&#8217; zu haben.  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Hinweise auf ein &#8220;totes Pferd&#8221;<\/strong><br>Unsere Schweizer Milizarmee wurde seit 25 Jahren von VBS und Politik kontinuierlich ab- und umgebaut. Heute besteht Sie nur noch aus &#8216;Haut und Knochen&#8217;. Das Bild, welches ein Grossteil der Bev\u00f6lkerung von unserer Armee als Ganzes hat, ist jenes der Armee 61. Damit erf\u00fcllt sie heute h\u00f6chstens noch das Bild des &#8220;Potemkinschen Dorfes&#8221;. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Niedergang ist dabei prim\u00e4r eigenverschuldet: Er beginnt mit der kurzfristigen, naiven Beurteilung einer permanenten bedrohungslosen Welt, der \u00fcbertriebenen Aussch\u00fcttung einer &#8220;Friedensdividende&#8221;, welche zu einer hohen &#8220;Verschuldung&#8221; bei Personal, Ausbildung, Logistik und F\u00fchrungsf\u00e4higkeit f\u00fchrte und endet in den Versuchen, R\u00fcstungsprogramme grunds\u00e4tzlich &#8220;referendumsf\u00e4hig&#8221; zu machen. Die Fehler passieren stets auf h\u00f6chster, normativer Stufe. Das bleibt auch den B\u00fcrgern nicht verborgen. Daher verwundert es auch nicht, dass sich immer mehr Junge dem Zivildienst zuwenden. Wer will schon bei einer Organisation mitmachen, bei der man im Ernstfall nicht gewinnen kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kommt, dass sich die Kantone dieser misslichen Lage in keinster Weise bewusst sind und der Bev\u00f6lkerung im Ernstfall ihren <a href=\"http:\/\/gruppe-giardino.ch\/?p=12959\">verfassungsrechtlichen Schutz verwehren m\u00fcssen<\/a>. Die 5 Mia. Franken Pr\u00e4mie, welche die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr diese &#8220;Versicherung&#8221; namens &#8216;letzte strategische Reserve&#8217; bezahlen soll, ist daher in keiner Weise mehr gerechtfertigt. In der Privatwirtschaft w\u00fcrde man von &#8220;Versicherungsbetrug&#8221; reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit fehlt der Armee jegliche Legitimation, um mehr Geld zu verlangen. Das System Armee ist v\u00f6llig falsch aufgestellt. &#8220;<em>Never catch a falling knife!<\/em>&#8221; oder &#8220;<em>Man wirft nicht gutes Geld schlechtem hinterher<\/em>&#8221; muss hier die Devise sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es das VBS nicht schafft, bei einem um 85% reduzierten Mannschaftsbestand die Betriebskosten massiv zu senken, um Geld f\u00fcr Investitionen frei zu machen (damit war schon die Armee XXI angetreten), braucht man dem VBS auch nicht noch mehr Geld zu geben. Oder w\u00fcrden Sie als Verwaltungsrat einem nur noch schrumpfenden Unternehmen mit offenbar falschen Produkten, verfetteten Strukturen, b\u00fcrokratischem Management und davonlaufendem Personal einfach so Geld geben, ohne die strategische Ausrichtung zu \u00e4ndern? Ach, sie glauben, die WEA sei diese strategische Wende? Dann denken Sie bitte nochmals dar\u00fcber nach&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzte Reform hat es zudem verschlafen, auf neue Bedrohungsbilder Antworten zu liefern. So sucht man vergebens Einheiten, welche sich auf die Abwehr von Drohnen spezialisieren. Mit Blick auf die F\u00e4higkeiten Russlands bez\u00fcglich elektronischer Kriegsf\u00fchrung scheinen auch unsere EKF-Kompetenzen stehen geblieben zu sein. Im Bereich Cyber kommt man erfreulicherweise, aber langsam vorw\u00e4rts.<\/p>\n\n\n\n<p>Das fehlende &#8220;Strategische Denken&#8221; der F\u00fchrungsetage passt zur <a href=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=1212\">einseitigen Bedrohungsanalyse<\/a>. Diese scheint sich prim\u00e4r auf Agenturmeldungen und den bekannten Umst\u00e4nden aus den Massenmedien zu st\u00fctzen. Daher verwundert es auch nicht, dass die L\u00f6sungen ohne jeglichen strategischen Tiefgangs daherkommen. Betriebswirtschaftliche und politische Faktoren \u00fcberragen milit\u00e4rtaktische Notwendigkeiten. So muss die Luftwaffe noch auf drei Flugpl\u00e4tzen basieren und die Logistik wird aus f\u00fcnf Centern &#8220;sichergestellt&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf welchem Niveau sich die sicherheitspolitische Diskussion der Schweiz befindet, erkennt man nur schon bei der Analyse der w\u00f6chentlichen Pressemeldungen (jeweils zusammengefasst in der &#8220;<em>Sicherheitspolitischen Wochenschau der Fricktalischen Offiziersgesellschaft<\/em>&#8221; \u2013&nbsp;<a href=\"http:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/?page_id=477\">hier abonnieren<\/a> \u2013&nbsp;<a href=\"https:\/\/us6.campaign-archive.com\/home\/?u=1748f227ce5f6d94a647645c5&amp;id=4f870babdc\">Archiv<\/a>): Diese Woche ging es u.a. um den Kauf von Posaunen, einem 62-j\u00e4hrigen Rekruten, dem Kauf von Drohnen aus Israel und einer Lobby-Veranstaltung von SAAB. Vergleichen Sie diese Themenauswahl mit anderen Artikeln des Newsletters. Der Niveauunterschied k\u00f6nnte nicht gr\u00f6sser sein. <\/p>\n\n\n\n<p>V\u00f6llig in Vergessenheit geriet offenbar auch die <strong>Neutralit\u00e4t<\/strong>, welche zwar auf dem Papier noch besteht, aber kaum mehr Einfluss auf die Milit\u00e4rpolitik hat. Lieber biedert sich die Schweiz der NATO an, als sich v\u00f6llig frei auf dem Weltmarkt nach den besten R\u00fcstungsg\u00fctern Ausschau zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>So schreibt z.B. der Pr\u00e4sident der OGBB (ein Berufsoffizier!) in seinem Vorwort zur Ausgabe <a href=\"https:\/\/www.ogbb.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/2018-2-OGInform.pdf\">2-2018<\/a>: &#8220;<em>Im Kriegs- und Verteidigungsfall stellt sich auch die Neutralit\u00e4ts-Frage nicht mehr, dann d\u00fcrfen wir B\u00fcndnisse mit anderen Staaten und Armeen eingehen.<\/em>&#8221; Wie ernst ist es wohl der Schweiz, wenn die Neutralit\u00e4t sofort aufgegeben wird, sobald ein Krieg ausbrechen sollte? Diese &#8220;Doktrin&#8221; ist h\u00f6chst gef\u00e4hrlich, <a href=\"http:\/\/blog.ggstof.ch\/alle-roten-pfeile-kamen-aus-dem-osten-zu-recht\/\">wie die Geschichte<\/a> zeigt. <\/p>\n\n\n\n<p>Die v\u00f6llig einseitige Ausrichtung auf die NATO (basierend auf der naiven Annahme, dass wir von &#8220;Freunden&#8221; umzingelt sind) muss deshalb aufgebrochen und das Programm &#8220;PfP&#8221; verlassen werden. Ohne diese Massnahmen sind wir nur noch auf dem Papier wirklich neutral. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8220;Das \u00abAbkommen \u00fcber die Rechte und Pflichten der neutralen M\u00e4chte\u00bb (das sogenannte Haager Neutralit\u00e4tsabkommen von 1907) besagte insbesondere auch, dass die Neutralen sich verpflichteten, ihre <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.vbs.admin.ch\/internet\/vbs\/de\/home\/documentation\/publication.parsys.0011.downloadList.00111.DownloadFile.tmp\/broschneutralitaetd.pdf\" target=\"_blank\">Neutralit\u00e4t<\/a> milit\u00e4risch verteidigen zu k\u00f6nnen \u2013 und zu wollen. Um seiner Pflicht zur Selbstverteidigung auch nachzukommen, d\u00fcrfen die milit\u00e4rischen Kapazit\u00e4ten des Neutralen aber nicht im luftleeren Raum schweben, sondern m\u00fcssen einen realen Bezug zur milit\u00e4rischen St\u00e4rke allf\u00e4lliger feindlicher M\u00e4chte aufweisen. Denn, so Art. 2 und 5 des <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haager_Abkommen\" target=\"_blank\">Haager Abkommens<\/a>, der Neutrale ist verpflichtet, Verletzungen seines Territoriums auch \u00abbestrafen\u00bb zu k\u00f6nnen. Dies geht aber nur mit einer glaubw\u00fcrdigen Armee&nbsp;[&#8230;]&nbsp;Ohne eine zahlenm\u00e4ssig grosse Milizarmee lassen sich die v\u00f6lkerrechtlichen Pflichten des Neutralen nicht erf\u00fcllen. Darum muss jeder, der die Milizarmee abschaffen will, offen sagen, dass er damit auch die Neutralit\u00e4t abschaffen will. Ein Vorgang, den aber <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.css.ethz.ch\/publications\/sicherheit.html\" target=\"_blank\">95 Prozent der Schweizer<\/a> B\u00fcrger nicht gutheissen wollen.&#8221;<\/p><p>Quellen: <a href=\"http:\/\/www.zeit-fragen.ch\/index.php?id=1344\">zeit-fragen.ch<\/a>&nbsp;\u2013 <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.vbs.admin.ch\/internet\/vbs\/de\/home\/documentation\/publication.parsys.0011.downloadList.00111.DownloadFile.tmp\/broschneutralitaetd.pdf\" target=\"_blank\">Dokumentation Neutralit\u00e4t<\/a> \u2013 <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweizerische_Neutralit%C3%A4t\" target=\"_blank\">wikipedia.org<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Wird&nbsp;es&nbsp;besser?<\/strong><br>Die n\u00e4chste (halbe?) Armeereform wird bereits (wiederum vom VBS!) angedacht. Sie ist auf ca. 2024 terminiert. Dann sollen M\u00e4ngel durch &#8220;Garantiearbeiten&#8221; behoben werden. Wie der Ausdruck bereits zeigt, geht es also nicht um eine grundlegende \u00c4nderung der Ausrichtung, sondern nur um kleinere Anpassungen. Man wird den Schritt wohl wieder &#8220;Entwicklungsschritt&#8221; (analog &#8220;Entwicklungsschritt 08\/11&#8221;) nennen. Ob dann eine Erh\u00f6hung des Mannschaftsbestands Teil der Diskussion sein wird, ist heute kaum anzunehmen. Es bleibt also bei der personellen Mangellage.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch an der \u00fcbern\u00e4chsten Reform &#8220;Zielbild 2030&#8221; wird schon wieder gearbeitet. Man darf gespannt sein, welche Abbauschritte und &#8220;Weiterentwicklungen&#8221; vorgeschlagen werden. Damit ist weder eine Besserung geplant noch beabsichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>In die Zukunft blickend stelle ich fest: Weder die politischen noch die milit\u00e4rischen Entscheidungstr\u00e4ger, noch die Parteien oder die Milizverb\u00e4nde k\u00f6nnen unmittelbaren Handlungsbedarf f\u00fcr eine grunds\u00e4tzliche Kurswechsel erkennen oder w\u00e4ren daf\u00fcr zu gewinnen. Damit liegt die Reanimation der Schweizer Milizarmee in weiter Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber \u00fcberlassen alle diese Verantwortlichen die Milizarmee dem desastr\u00f6sen Gebaren des VBS, welches mit der Armeereform WEA den Rest der Milizarmee in Schutt und Asche verwandelt. Zwar hoffen diese Personen, dass es danach wieder aufw\u00e4rts geht. Doch sie realisieren nicht, dass sie mit ihrem Verhalten das Pferd zu Tode geritten haben. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><br>Das Fazit kann daher nur lauten, dass das Pferd &#8220;Milizarmee&#8221; tot ist: <strong>Die Schweizer Milizarmee kann weder den in der Verfassung geforderten Auftrag erf\u00fcllen noch auf absehbare Zeit diese F\u00e4higkeit wieder erreichen. Die Schweizer Milizarmee ist klinisch tot.<\/strong>&nbsp;Was wir heute noch als Armee zu erkennen glauben, ist eine Zombiorganisation, ein Potemkinsches Dorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei: Eine &#8220;Milizarmee&#8221; haben wir schon lange nicht mehr, auch wenn die <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19950010\/index.html#a94\">Grunds\u00e4tze im Milit\u00e4rgesetz festgehalten<\/a> sind. Eine <a href=\"http:\/\/blog.ggstof.ch\/berufskategorien-der-aktiv-eingeteilten-gst-of\/\">Definition<\/a> fehlt weiter. Viele Bereiche wurden &#8220;professionalisiert&#8221; (z.B. bei der Luftwaffe). Die Miliz dient dem VBS in erster Linie als PR-Objekt bei \u00f6ffentlich interessanten Eins\u00e4tzen oder dann als Mittel zur Erh\u00f6hung der Durchhaltef\u00e4higkeit von Berufskomponenten (vgl. meine <a href=\"http:\/\/blog.ggstof.ch\/milizarmee-auf-der-suche-nach-einer-definition\/\">\u00dcberlegungen von 2012<\/a>). <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Meine Konsequenzen<\/strong><br>Ich bedauere zutiefst, dass es mir (als Teil von verschiedenen Milizorganisationen und zusammen mit einigen ebenso engagierten Mitk\u00e4mpfern)  in den letzten \u00fcber zehn Jahren nicht gelungen ist, die Entscheidungstr\u00e4ger vom dringenden Kurswechsel zu \u00fcberzeugen. Ich habe eingesehen, dass dieser Trend nicht aufzuhalten ist. Es braucht erst einen &#8220;<em>Chlapf<\/em>&#8221; (&#8220;Crash and Burn&#8221;), bis es wieder besser kommt. Deshalb gebe ich den Kampf f\u00fcr eine verfassungsm\u00e4ssige Armee nun auf und werde die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die aktuelle Nicht-Armee in Zukunft unterlassen. Fortan bestimmt die &#8220;Oekonomie der Kr\u00e4ft&#8221;  meine sicherheitspolitischen Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich bleibe ich weiterhin ein grosser Bef\u00fcrworter eine echten, defensiv aufgestellten, dissuasiven Milizarmee. Aber eine Armee, welche ihre Kernfunktion nicht mehr erf\u00fcllten will und kann, hat ihre Unterst\u00fctzungsw\u00fcrdigkeit verwirkt. Alles was ich noch tun kann ist, den stets schlechter werdenden Zustand der Schweizer Sicherheitspolitik festzuhalten, die Fehlentwicklung zu beschreiben und die Verantwortlichen ans Licht zu zerren. Leider werden sie die Konsequenzen dennoch nicht zu tragen haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte auch klar festhalten, dass es Teile der Armee gibt, welche einen sehr guten Leistungsausweis haben (u.a. F\u00fchrungsausbildung an der HKA, Milit\u00e4rmusik, Spezialeinheiten) bzw. wo viel gute Arbeit geleistet wird (z.B. Cyber). Mir tun diese Organisationen leid, denn ihr Beitrag wird nicht dazu f\u00fchren, dass die Gesamtorganisation den Auftrag erf\u00fcllen kann. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Der beste Motor bringt nichts, wenn die Steuerung ausf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die grundlegenden Voraussetzungen f\u00fcr eine verfassungsm\u00e4ssige Miliz-Armee bleiben f\u00fcr mich nat\u00fcrlich unterst\u00fctzungswert, etwa ein liberales Waffenrecht, die umfassende Milizarmee, eine Wehrpflicht mit abgestufter Tauglichkeit und die immerw\u00e4hrende, uneingeschr\u00e4nkte Neutralit\u00e4t. Auf dieser r\u00fcckversetzten Verteidigungslinie kann ich mich mit gutem Gewissen einsetzen. Doch diese Position steht seit Jahren ebenfalls unter Dauerbeschuss und vereinzelt sind Durchbr\u00fcche zu verzeichnen. Wenn hier die letzte Stellung \u00fcberrannt wird, gilt es die Koffer zu packen.<\/p>\n\n\n\n<p>An die Adresse der Milizverb\u00e4nde geht meine Empfehlung: Verzichtet in Zukunft auf das Abfassen eigener Sicherheitsberichte, Armeekonzepte und Stellungnahmen! Solche Dokumente werden von den Verantwortlichen im VBS h\u00f6chstens zur Kenntnis genommen, auf das Ergebnis haben sie jedoch keinen Einfluss \u2013&nbsp;und wenn, dann finden sie h\u00f6chstens eines Tages bei der Geschichtschreibung Beachtung. Verzichtet auf diesen grossen (Miliz-)Aufwand. Seid keine Feigenbl\u00e4tter mehr f\u00fcr das VBS. <\/p>\n\n\n\n<p>Ja, vielleicht k\u00f6nnte ein grosses &#8220;Sich Abmelden&#8221; und Abwenden von mehreren grossen oder bekannten Milizverb\u00e4nde zu einem Aufwachen bei der Politik beitragen. Vielleicht w\u00fcrde dann der Ernst der Lage in Ans\u00e4tzen realisiert. Sicher ist einfach: Ohne grossen &#8220;Ruck&#8221;, geht es nicht wieder aufw\u00e4rts. <\/p>\n\n\n\n<p>Mir bleibt nur noch allen herzlich zu danken, welche mich bei dieser undankbaren Aufgabe unterst\u00fctzt haben. Ich habe auf diesem Weg viele aufrechte, intelligente, engagierte und liebenswerte Leute treffen d\u00fcrfen. An jene, die weiterk\u00e4mpfen wollen, rufe ich zu: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8220;Es ist eine Regel der Klugen, die Dinge zu verlassen, ehe sie uns verlassen.&#8221;<\/p><cite>Balthasar Graci\u00e1n (1601-1658), spanischer Philosoph und Schriftsteller<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Das Pferd ist tot \u2013 steigt ab!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Milizarmee ist tot. Es wird Zeit, von diesem toten Pferd abzusteigen und die Unterst\u00fctzung f\u00fcr dieses &#8220;Potemkinsche Dorf&#8221; aufzugeben. <a href=\"https:\/\/unbequemefragen.ch\/?p=1312\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[5,6],"tags":[21,136,85,89],"class_list":["post-1312","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-militar","category-politik","tag-armee","tag-militar","tag-schweiz","tag-sicherheit"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1312","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1312"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1312\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1361,"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1312\/revisions\/1361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1312"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1312"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unbequemefragen.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1312"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}