David vs. Goliath – SNB vs. globale Kapitalmärkte

Die SNB nimmt es mit den globalen Finanzströmen auf – Wow… Sie will doch tatsächlich den Euro gegenüber dem Franken bei der Verteidigungslinie von 1,20 stoppen. Munition habe sie genügend, man soll es also ja nicht versuchen…! Den Vorgang nennt man im Militär “Dissuasion“.

Doch hält die Drohung den Fakten stand? Charles Wyplosz schreibt in seinem Editorial in der FuW vom 10. September:

“1992 belief sich das Total der weltweiten Devisentransaktionen an einem durchschnittlichen Tag [!] auf 750 Mrd. $. Im Jahr 2010 wechselten an einem normalen Tag 4’000 Mrd. $ die Hand. […] Um die Dinge ins richtige Verhältnis zu rücken: Das jährliche [!] Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz beträgt rund 520 Mrd. $.”

Versucht hier nicht die SNB mit ein paar Sandsäcken den Tsunami aufzuhalten? Kann das überhaupt klappen, wenn eines Tages die Marktteilnehmer die SNB prüfen werden?

Selbstverständlich kann die SNB unendlich viel Franken drucken. Die damit einhergehende Inflation wird jedoch gewaltige Ausmasse annehmen. Die Schweizer werden leiden, ihre AHV- und Pensionskassenvermögen wie auch die Milliarden von Bankguthaben schmelzen dahin wie Schnee in der Sahara. Ich sehe die Karrikatur schon vor mir: Hildebrant stämmt sich gegen die Welle, im Hintergrund verarmt das Volk. Und er fühlt sich als Gewinner…

Oswald Grübel von der UBS findet denn auch deutliche Worte:

«Ich hätte keine Untergrenze festgelegt – sehen Sie sich nur das Grössenverhältnis des Frankens zum Euro an.» Es sei ein Spiel David gegen Goliath. «Wir, als kleines Land mit dem Franken, können gegenüber dem Euro keinen Wechselkurs diktieren.»

Die Politik sei daran, «den Finanzplatz zu demontieren». Damit gebe man einen entscheidenen Wohlstandspfeiler auf.

Die Schweiz müsse sich die Frage stellen, warum sie seit dem zweiten Weltkrieg zum reichsten Land der Erde geworden sei. «Einer der Gründe», so Grübel, «ist auf jeden Fall die Entwicklung des Finanzplatzes. Leider sind wir im Moment dabei, ihn zu demontieren.»

Quelle: Tagesanzeiger.ch / Der Sonntag

Was kann man dagegen tun? Reale Werte kaufen, wie Edelmetalle, Immobilien, … Die Immobilienaktien steigen und auch der Kurs des Goldes in CHF ist seit der ersten Intervention der SNB Anfang August 2011 von rund 40’000 auf fast 52’000 Franken gestiegen. Das sind +30%. Oder anders ausgedrückt: Der Franken hat bereits wieder 30% seiner Kaufkraft eingebüsst. Nur spricht niemand davon… Das nenne ich “lautlose Enteignung des Volkes”.

P.S.
Was soll die SNB mit den Euro machen? Ausländische Staatsanleihen kaufen, oder Aktien, oder Unternehmensanleihen? Könnte man dies – bei der doch grossen Summen – als “Übernahmegelüst” der Schweiz ggü dem Ausland werten? Ob da wohl alle so Freude daran hätten…?

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4 Responses to David vs. Goliath – SNB vs. globale Kapitalmärkte

  1. Visitor from Rapperswil-Jona says:

    Ich brauch mal etwas Nachhilfe in Oekonomie und Finanzwirtschaft
    Warum kann die SNB neugeschöpfte CHFs (Buchgeld oder gedrucktes Geld) nicht einfach als Eigenmittel erklären. Schlauerweise würde man dann diese CHFs oder die damit gekauften Euros an den Bund ausschütten. Der Bund kauft sich damit im Ausland Güter (Land, Militärflugzeuge, Anteile an der Deutschen Bahn, Windkraftwerke, etc.) oder Dienstleistungen (Autobahnunterhalt in der Schweiz durch ausländische Firmen, Bau der 2. Gotthardröhre etc.).
    Was hindert uns daran, uns dreist auf Kosten derjenigen zu bereichern, welche den CHF in den Himmel katapultiert und uns somit geschädigt haben.
    Wäre doch super, zwei Fliegen auf einen Streich:
    Wir kriegen Milliardenwerte gratis und das Vertrauen in den CHF wird damit soweit angeknackst, sodass wir am Schluss wieder bei 1.35 CHF/Euro landen.

  2. Markus M. Müller says:

    Natürlich kann die SNB die Mittel sofort als Eigenkapital deklarieren. Deshalb kann sie ja auch technisch nie bankrott gehen. Und auch diese Ausschüttung an Bund und Kantone wird so möglich.

    ABER:

    1. Mit jeder Geldschöpfung aus dem Nichts (fiat money) verliert der Franken an Kaufkraft (das ist wie bei den Produkten: Massenprodukte sind meist sehr günstig, Einzelanfertigungen teuer). Geldschöpfung IST Inflation, wenn sie nicht mit den realen Werten des Währungsraumes gemeinsam, sondern schneller wächst.

    2. Der CHF – und hier liegt eine Fehlinterpretation zugrunde – wird nicht von den anderen “in den Himmel” katapultiert. Alle Währungen sind auf dem Abstieg (v.a. gegenüber echtem Geld = Gold). Wir fallen einfach nicht so schnell wie etwa USD oder EUR. Der CHF ist also bloss “relativ stark”, nicht absolut.

    3. “Gratis” gibt es bei Währungsgeschichten sowieso nichts! Wenn alle Staaten einfach aus dem Nichts Geld schaffen würden und sich so die ganze Welt zusammenkaufen könnten, würden sie es doch machen. Simbabwe wäre dann der reichste Staat, denn er hat am meisten Geld gedruckt (die USA sind ihnen dicht auf den Fersen). Doch das klappt eben nicht, weil das Geld an Wert verliert. Damit verlieren wir alle, die irgendwo Geld im Finanzsystem haben (v.a. auf Konti, in Obligationen, zuhause). Das kann aber nicht das Ziel sein, oder?

    Alles klar?

  3. Visitor from Rapperswil-Jona says:

    Herzlichen Dank für die Information.
    Ich begreife ja, dass folgende Gefahren drohen:
    a) Binneninflation
    -> Kann man diese auf ein Minimum reduzieren, wenn mit dem zusätzlichen Geld nur ausländische Güter (taiwanesische Fernseher, deutsche Autos) gekauft würden? Oder steigt der Friseur- oder Cervela-Preis trotzdem automatisch, weil jedermann (Konsument) fühlt, dass er mehr Geld in der Tasche hat?

    b) weltweiter Abwertungswettlauf (ist ja schon im Gange)
    -> Welche Gründe gibt es da, den Musterknaben zu spielen, statt im Mittelfeld mitzuhalten? Liegt der Hauptgrund darin, dass die Schweizer weltweit eher Nettogläubiger sind und bei einem Abwertungswettlauf daher sowieso die Verlierer wären (Gewinner sind die Schuldner)?

    Und noch eine Frage:
    Welcher Funktion folgt der Wechselkurs einer Währung bei einem quantitativen Easing typischerweise. Ist dies anhand statistischer Erhebungen bekannt oder überhaupt nicht vorhersehbar. Herr Hildebrand musste sich ja bei der Festlegung der 80 Mia (bzw. 120 Mia) etwas überlegt haben.
    Besteht die Gefahr, dass eine Währung nach einer zu grossen Geldmengen-Ausweitung viel tiefer absackt, als geplant (sodass sofort wieder Geld abschöpft werden muss)? Ist das schon vorgekommen?

  4. Markus M. Müller says:

    ad a)
    Wenn Sie mit dem frischen Geld etwas im Ausland kaufen wollen, dann sollten dies Assets sein, also Cash flow generierende Investitionsgüter (z.B. Land, gute Firmen, Immobilien). Alles andere ist Konsum und verschwindet – wie die Cervalat. Der Konsument merkt davon erst später, weil durch die Abwertung der Währung die Importgüter teurer werden (siehe aktuell Benzin). Das nennt man dann “Teuerung”. Das schlägt mit Verzögerung auf alle Preise durch. Schauen Sie doch einmal, was man Anfang der 1970er Jahre für einen Kaffee oder eine Übernachtung im Hotel bezahlt hat… Und wieso wird alle paar Jahre der Landesindex der Konsumentenpreise wieder auf 100 zurückgestellt? Das ist pure Manipulation!

    ad b)
    Länder mit einer (absolut) stabilen Währung ziehen Kapital und Firmen an. Hier behält das Ersparte seinen Wert, was für Vermögen aus der ganzen Welt attraktiv ist. Durch diesen Kapitalzufluss bleiben auch die Zinsen tief und begünstigen so die Investitionen und Innovationen (auch deshalb sind wir in der Schweiz so reich geworden). Das verhilft zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft. Die Bürger erreichen einen höheren Lebensstandard, weil sie mit ihrem Geld mehr ausländische Güter kaufen können. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Länder mit stabiler Währung (z.B. England mit dem Goldstandard im 19. Jahrhundert) stets die Gewinner waren. Sobald man davon abgewichen ist, ging es bergab.

    ad c)
    Man soll mir bitte zuerst ein Beispiel bringen, wo eine Geldmengenabschöpfung funktioniert hat. Der Inflationsgeist will – so zeigt die Erfahrung aus der Geschichte – partout nicht mehr in die Flasche zurück.
    QE = Gelddrucken. Wird die Geldmenge dabei um 20% erhöht, kann man davon ausgehen, dass – ceteris paribus – die Währung um 20% an Wert verliert. Am einfachsten sieht man dies am Goldpreis in der entsprechenden Währung.

    Ende 2010 war die Bilanz der SNB rund 270 Mia. gross. Mit den 80 Mia. kommen 30% dazu. Erinnern Sie sich, wie viel der Goldpreis gestiegen ist? siehe oben….

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