Überforderte Medien

Machtwechsel in Libyien!” frohlockten die Schweizer Medien und holten die ganz grossen Lettern hervor. “Gaddhafi am Ende!

Ätsch – stimmt alles nicht!

“Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken”, sagt Thomas Bauer vom Publizistik-Institut der Universität Wien im Gespräch mit pressetext.

Die Medien haben sich zu sehr an den Meldungen der Rebellen orientiert. “Kriegsparteien haben immer Propagandamaschinerien. Hier müsste man besonders vorsichtig sein. Die Medien haben aber scheinbar ungeprüft Meldungen übernommen” (Quelle persoenlich.com)

Sollte uns das zu denken geben? Oh ja!

Wie oft gelangen wohl jeden Tag ungeprüfte Meldungen in unsere Zeitungen, ins Radio und das Qualitäts-Fernsehen am Leutschenbach?

Der Publizitätswissenschafter aus Wien stellt dabei aber die falsche Diagnose:

“Ein Grund für die Überforderung der Medien ist die zunehmende Vernachlässigung der Auslandsberichterstattung. Aus Kostengründen gibt es immer weniger Korrespondenten.”

FALSCH! Es liegt daran, dass

  1. kaum noch ein Journalist fundiert über die Geschehnisse in der Welt Auskunft geben kann und sich regelmässig auch mit den Hintergründen, der Geschichte und v.a. mit dem System dahinter beschäftigt. Das bräuchte er jedoch, um die Geschichte reflektiert dem Leser aufbereiten zu können. Stattdessen herrschen Halb-Wissen und Annahmen.
  2. die persönliche, politische Einstellung zu einem Thema ist wichtiger als die Wahrheit. Wenn man ein Ereignis auch nur ansatzweise für die politische Agenda nutzen kann, wird sie ‘telle-quelle’ übernommen.
  3. Nachrichten dürfen – das wüsste man als Aufklärer und Wissenschaftler – nicht primär bestätigt werden. Stattdessen ist die Gegenhypothese zu prüfen. Welche Informationen gibt es, welche eine andere Geschichte erzählen? Was spricht dagegen? Je unwiderlegbarer, desto verlässlicher die Quelle.

Für diese drei Punkte ist kein grosses Korrespondentennetz notwendig. Auch hier zeigt sich, dass mein Grundsatz “Wissen ist wissen wo Wissen ist.” völlig ausreicht. Die Informationen sind im Internet verfügbar – man müssten ihnen nur etwas mehr Glauben schenken (Beispiel oder Gerald Celente).

Stattdessen geschah dies:

Als erste Meldungen über einen Rebellenvorstoß auf Tripolis auftauchten, begannen westliche Medien sofort Berichte unter dem Motto “Das Ende des Grauens” zu veröffentlichen. Dieses Muster war auch bei den vorangegangenen Revolutionen in anderen nordafrikanischen Ländern zu erkennen, wo die Medien teilweise schon Demokratien ausgerufen haben, bevor die jeweiligen Regimes überhaupt gestürzt wurden. “Bei den Jubelmeldungen aus Libyen hat man deutlich die Erwartung einer Erfolgsgeschichte gespürt”, sagt Bauer gegenüber pressetext. Es ist nur natürlich, dass man lieber über “Happy Ends” schreibt. Wenn Medien aber die journalistische Sorgfaltspflicht für eine Erfolgsmeldung vernachlässigen, stellen sie ihre eigene Legitimation in Frage.

Wieso schaltet der Bürger ob so – nachweislich – schlechter Berichterstattung nicht häufiger ab und macht sich selbst auf die Suche nach den Fakten? Vermutlich ist er einfach zu sehr zufrieden mit seinem Leben, den Annehmlichkeiten und dem Gebotenen, dass er sich einen Deut um die Wahrheit kümmert…

Überspitzt gesagt: faule Journalisten beeinflussen den faulen Bürger.

Ist das eine aufgeklärte Gesellschaft?

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